Die Geschichte Ahlbecks

Die Entwicklung Ahlbecks vom unbedeutenden Flecken zum international anerkannten Seebad beginnt im Jahr 1699, als ein Müller aus der Stargader Heide an der Mündung des Aalbachs in die Ostsee – heute fließt dieses Gewässer unterirdisch – eine Mühle errichtete. Fast zeitgleich erschienen ein Teerbrenner und ein Fischer – vermutlich beide mit ihren Familien. Dieses beschauliche Miteinander störte der Alte Fritz, als er 1772 weitere Kolonisten dort ansiedelte – bekanntlich ging er nicht gerade zimperlich mit seinen Untergebenen um. Sie hatten die Aufgabe, den Flusslauf des Aalbaches zu regulieren, war es doch zuvor aufgrund der Mühlentätigkeit zu einem Rückstau und damit zu Überschwemmungen gekommen. Zu dieser Zeit brachte es die kleine Ortschaft in ihren Anfängen auf stolze sieben Haushalte.

Ganz offenkundig fühlten sich aber weitere Familien von dem Ort angezogen, denn er wuchs auch ohne Zwangsumsiedlungen. Entscheidenden Einfluss darauf hatte eine Aktion des Oberforstmeisters Bernhard von Bülow, eines Vorfahren des legendären Komödianten Loriot. 1817 kaufte er das Gut Gothen, dessen Areal sich bis nach Ahlbeck erstreckte. Er teilte den Grund in kleinere Parzellen auf, die er wiederum an die Fischer veräußerte – ein Gewinn für beide Seiten, denn die Konditionen waren sehr günstig. Auch die kleine Ortschaft profitierte, denn sie wuchs schnell zu einem recht wohlhabenden Dorf mit einigen Hundert Einwohnern heran.

Den entscheidenden Wandel zum Seebad Ahlbeck hätte es indessen nicht ohne ein wenig Innovation gegeben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte der Lehrer und Kantor Johann Koch frischen Wind ins Dorf: Er gründete nicht nur das Komitee zur Erbauung eines evangelischen Gotteshauses, sondern nahm im Jahr 1852 auch in seinem Haus die ersten zahlenden Urlaubsgäste auf – damals hießen sie noch Sommerfrischler. Es handelte sich vermutlich um die Kinder eines auswärtigen Gutspächters mit ihrer Erzieherin. Immerhin war dies die Geburtsstunde des Tourismus in Ahlbeck auf Usedom. Und die des Seebades Ahlbeck ohnehin, da die kleine Gruppe auch ein Bad im Meer nahm – damals ein fast revolutionäres Unterfangen. Den rasanten Fortschritt des Urlaubsortes erlebte der Initiator ebenso wenig wie die Grundsteinlegung für die Kirche im Jahr 1894.

Nach und nach reisten immer mehr Menschen nach Ahlbeck in die Sommerfrische. Dieses Vergnügen war seinerzeit selbstverständlich ausschließlich den Wohlhabenden vorbehalten, da sich die niederen Schichten eine Vergnügungsreise niemals hätten leisten können. Um dieser angesehenen und zugleich anspruchsvollen Klientel auch behagliche Unterkünfte zu bieten, bauten die Ahlbecker ab etwa 1880 die ersten Hotels und Pensionen. Mit dem Ergebnis, dass die Besucherzahlen weiterhin rasant anstiegen, und 1910 schon 20.000 Gäste ihre Sommerfrische in Ahlbeck verbrachten. Hinzu kam, dass viele der Reichen auch während der Ferien in Ahlbeck nicht auf den gewohnten Komfort verzichten wollten – sie bauten kurzerhand Privatvillen. Diese Häuser sind ebenso wie die gewerblichen Unterkünfte ganz im Stil der damaligen Zeit entstanden – die typische Bäderarchitektur hielt auch in Ahlbeck Einzug.

Die Ahlbecker arbeiteten intensiv daran, die Beliebtheit ihres Ortes zu erhalten und sogar zu steigern. Mit Erfolg, wie die Entwicklung gezeigt hat.