Sehenswürdigkeiten in Ahlbeck

Das Ostseebad Ahlbeck auf Usedom punktet nicht nur mit seiner wunderschönen Naturlandschaft, die sich vorwiegend im feinsandigen und sehr gepflegten Strand zeigt, sondern hält auch einige interessante Bauwerke bereit. Die meisten entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Und die Ahlbecker Stadtväter kümmerten sich meist recht intensiv um die Erhaltung der wertvollen Bauten.      

Die Seebrücke in Ahlbeck

Die Ahlbecker Seebrücke ist inzwischen das Wahrzeichen sowie das am meisten fotografierte und besuchte Bauwerk des populären Badeortes geworden. Der lange weiße Steg und vor allem das Restaurationsgebäude mit seinem charakteristischen roten Dach und den vier zierlichen grünen Türmchen sind von weither sichtbar und versprühen einen ganz eigenen Charme.

Im Verlauf ihres Bestehens hat die Seebrücke mehrere Um- und Ausbauten erfahren. Im Jahr 1882 bauten die Ahlbecker eine hölzerne Plattform, die ein wenig auf das Meer hinausragte. Das war damals bereits eine sensationelle Einrichtung, denn auf diese Weise konnten sich die vornehmen Gäste trockenen Fußes dicht am Wasser aufhalten. Dieses Bauwerk diente als Grundlage für die später so bedeutsame Seebrücke. Aber erst 16 Jahre später, nämlich 1898, erweiterte man diese Plattform durch einen regelrechten Schiffsanleger. Die dazu notwendigen Aufbauten besaßen damals jedoch noch keine Überdachung, was die hohen Herrschaften seinerzeit vermutlich nicht sonderlich störte – hielt man sich doch ohnehin nur bei gutem Wetter draußen auf.

Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein genügte den Ahlbecker Urlaubsgästen diese aus heutiger Sicht provisorische Konstruktion. Dann allerdings entschlossen sich die Verantwortlichen zu einer umfassenden Umbaumaßnahme, in deren Verlauf auch das charakteristische Dach entstand. 1942 zerstörten zwar ungewöhnlich starke Eismassen den Schiffsanleger, aber schon zu Beginn der 50er Jahre entschloss sich die DDR-Führung zu einer grundlegenden Sanierung dieses Bauwerks, dessen Bedeutung für das Seebad Ahlbeck sie erkannt hatte. Ungewöhnlich genug – ließ sie doch andere, ebenfalls wichtige Gebäude tatenlos verfallen. Allerdings verzichtete man auf die Erneuerung des Schiffsanlegers – die stand erst nach der Wende im Jahr 1993 zur Debatte. Aber immerhin war die Plattform mit dem Restaurant wieder nutzbar. Bis zur Maueröffnung ließ die DDR-Spitze noch einige Renovierungen durchführen. So mussten die Holzpfähle solchen aus Stahl weichen, und auch die Aufbauten erhielten Fundamente, die den gestiegenen Sicherheitsanforderungen genügten.

Während der Schiffsanleger der insgesamt 280 Meter langen Ahlbecker Seebrücke seinerzeit dazu diente, die An- und Abreisen der Sommerfrischer per Dampfer zu erleichtern, nutzt man ihn heute nur noch als Haltestelle für Vergnügungsschiffe. Diese Rundfahrten allerdings sind durchaus lohnend. Wer in Ahlbeck ein paar Tage verbringt, sollte nicht darauf verzichten.

Die Ahlbecker Kirche

Die Kirche von Ahlbeck auf Usedom stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1894 war sie nach nur gut einjähriger Bauzeit vollendet. Das Gotteshaus ist der Backsteingotik nachempfunden, die an der Ostsee häufig anzutreffen ist. Das Hauptportal befindet sich im mittig angesetzten, bis zum Boden reichenden Turm. Dahinter erstreckt sich der Saalbau mit dem hölzernen Tonnengewölbe.

In den 1970er Jahren führte man Renovierungsarbeiten an dem Gotteshaus durch, denen leider die schönen Ornamente im Inneren zum Opfer fielen – man übermalte sie kurzerhand mit weißer Farbe. Daran änderten auch erneute Tätigkeiten 1991 nichts. Die Kirche erhielt zwar ein komplett neues Dach, aber an dem weißen Innenraum hielt man fest. Vermutlich wäre die Freilegung der Dekore zu aufwändig gewesen.

Die Bäderarchitektur in Ahlbeck

Mit Bäderarchitektur bezeichnet man eine ganz bestimmte Bauweise, wie man sie speziell in den deutschen Nord- und Ostseebädern findet. Sie entstand im späten 19. Jahrhundert und umfasst lediglich eine kurze Dauer von etwa 20 bis 30 Jahren. In dieser Zeit entstanden hochherrschaftliche Villen, große Hotelanlagen und üppige Kureinrichtungen, die ganz auf Repräsentation ausgerichtet waren.

Kennzeichnend für die Bäderarchitektur sind leicht verspielte Elemente: Viele Türmchen, Erker und zierliche Giebel lockern die Fassaden auf. Häufig sind auch ganze Partien nach vorne versetzt. Vielfach gibt es zudem Freitreppen, Säulenformationen und großzügig angelegte Rundbogenfenster.

Meist sind die Gebäude der Bäderarchitektur in strahlendem Weiß gehalten, allerdings benutzten die Architekten vielfach auch kräftige Farben wie Blau, Tot, Gelb und Grün, mit denen einzelne Partien abgesetzt sind.

Im Ostseebad Ahlbeck findet sich die typische Bäderarchitektur speziell in der Dünen- und der Goethestraße. Allerdings sind auch in anderen Bereichen die charakteristischen Gebäude zu entdecken – exemplarisch sei die große Einheit in der Stresemannstraße genannt. Besonders attraktiv sieht zudem die in Gelbtönen gehaltene Villa Chrissi in der Ahlbecker Kaiserstraße aus.

Dass sich speziell in den Orten an der Ostsee die Bäderarchitektur halten konnte, mag daran liegen, dass hier jahrzehntelang keine weiteren Bautätigkeiten stattfanden. Somit blieben die Gebäude auch vor den Bausünden der 1970er Jahre verschont. Und davon profitieren die Gäste in Ahlbeck.

Jugendstilelemente in Ahlbeck

Die Ahlbecker Bäderarchitektur ist eng verbunden mit den überraschend vielen Hinweisen auf Elemente des Jugendstils. Diese Kunstform aus der Frühzeit des 20.Jahrhunderts ist charakteristisch für viele historische Gebäude in Ahlbeck. Dabei finden sich verschnörkelte, oft als Reliefs aufgesetzte Ornamente und abstrakte Linienführungen ebenso wie konkrete Darstellungen. Dabei überwiegen Blumenranken und auch Blüten. Zudem finden sich im Jugendstil vielfach Frauen mit langen wehenden Haaren und wallenden Gewändern.

All diese Dekore sind an verschiedenen Ahlbecker Häusern angebracht, teils als Umrandungen von Türen und Fenstern, teils als großflächige Fassadenverzierung.

Als einzelnes und frei stehendes Dokument des Jugendstil in Ahlbeck gilt die große Uhr aus dem Jahr 1911, die einst ein begeisterter Kurgast seinem Lieblings-Urlaubsort als Geschenk machte. Sie steht an der Strandpromenade direkt gegenüber der Seebrücke. Es handelt sich um eine Standuhr, die teilweise mit verspielten Girlanden verziert ist. Und das Gehäuse ist in unregelmäßigen Stufen dekorativ aufgelockert.